Wider die feierliche Verklärung von 1989

Thesenpapier von Sophia Bickhardt, Ute Großmann, Samirah Kenawi
Lila Offensive e.V.:

[Auszug:]

“Wir erkennen in dem teilweise aufwändig inszenierten Gedenken an den 9. Oktober und 9.November eine Domestizierung des Geistes von 1989. Damals schickten Menschen sich an, den aufrechten Gang zu proben, sie schüttelten Anpassung und Gleichgültigkeit ab, mischten sich ein, entdeckten ihr Land, verkehrten die Verhältnisse und gaben der Veränderung ein Gesicht. Gesellschaft konstituierte sich auf Demonstrationen, an Runden Tischen, in Diskussionsforen, auf Streiks und den Besetzungen von Stasizentralen.

Während des Aufbruchs 89 fiel nicht nur die Mauer, sondern öffneten sich auch die inneren Grenzen der DDR. In der Zeit des Ausgangs aus der selbstverschuldeten (?) Sprachlosigkeit rieb man sich ein ums andere Mal die Augen ob des kreativen Potenzials, das nun freigesetzt wurde. In den großartigen Jubiläumsevents dieser Tage werden diese Momente der aktiv betriebenen Umwälzung der bestehenden Machtverhältnisse jedoch verharmlost.”