Adretta: The Ambassador

A site-specific set of collages, developed for the canteen of the Goethe Institute Moscow, as part of the exhibition project “Leninskiy 95” , curated by Astrid Wege. With photos from the archive of the former Institute for Plant Breeding in Groß Lüsewitz, and documentation from Groß Lüsewitz (2013) and from two research trips to Russia – in 2017 and 2020. Text excerpts from Клубень проблем или кое-какие любопытные факты из жизни “чертова яблока” (http://vvkiselev2009.narod.ru/photoalbum54.html.)

Thanks to Åsa Sonjasdotter for making this possible, to Mikail Lylov for additional research and support, and to Astrid Wege, Natalia Sabrodskaya, and Alexey Myslitskiy for their help.


Ortspezifische Fotocollage für die Kantine des Goethe Instituts Moskau, ehemalige DDR-Botschaft als Teil der Ausstellung “Leninskiy 95” , kuratiert von Astrid Wege. Mit Fotos aus dem Archiv des Institut für Pflanzenzüchtung Groß Lüsewitz sowie Fotos von Elske Rosenfeld und Åsa Sonjasdotter aus Groß Lüsewitz 2013, Moskau und Divnogorie/ Voronesh Oblast, 2017; und Moskau 2020. Textauszüge aus Клубень проблем или кое-какие любопытные факты из жизни “чертова яблока” (http://vvkiselev2009.narod.ru/photoalbum54.html.)

Mit herzlichem Dank an Åsa Sonjasdotter, den Kulturverein Groß Lüsewitz und für weitere Recherchen und die Organisation der Recherchereise 2017 an Mikhail Lylov.


Ausgangspunkt der Installation ist die Kartoffelsorte Adretta, die in den 1970er Jahren im Pflanzenzüchtungsinstitut in Groß Lüsewitz in der Deutschen Demokratischen Republik für die spezifischen Bedingungen der industriellen Landwirtschaft im damaligen Ostblock entwickelt wurde und quasi als Archiv dieser historischen Praxis bis heute überlebt. Das Fotoarchiv des Instituts dokumentiert nicht nur Forschung und Züchtung der Kartoffelsorte, sondern das gesamte Leben dieses DDR-Musterdorfs von 1948-1990. 

Die Bezüge zur (Post-)Sowjetunion sind vielfältig. Im Archiv des Instituts sind Besuche sowjetischer Delegationen dokumentiert; die Kontakte scheinen intensiv gewesen zu sein. Im Postsozialistismus lebte die Adretta in den Subsistenzwirtschaften des Datscha- Gemüseanbaus für den Eigenbedarf weiter. Die Adretta scheint in der (Post-)Sowjetunion, vor allem in Russland, einen sagenumwobenen Status zu genießen. Etliche Websites und Blogs sind ihr gewidmet.

Rosenfeld geht der Geschichte der Adretta seit einigen Jahren gemeinsam mit der Künstlerin Åsa Sonjasdotter nach. 2017 führte das Projekt die beiden Künstlerinnen nach Divnogorie im Oblast Voronesh, wo sie den Weg der Adretta in Interviews und fotografisch recherchierten. Für ihren Beitrag zur Ausstellung in Moskau knüpft Rosenfeld an diese Forschungen an und erkundet in einer Bild-Text-Collage mögliche zeitliche und geopolitische Bezüge. Das Bild der Kartoffel wird so zum Vermittler bzw. Botschafter zwischen der Sowjetunion und der DDR, zwischen Sozialismus und Post-Sozialismus, zwischen Kultur und Natur.