Darf ich mal unterbrechen

Installation, 2009

Still “Darf ich mal unterbrechen”

Mit dem Einwurf, „Darf ich mal unterbrechen“ beginnt eine Szene während des ersten Zentralen Runden Tischs der DDR vom 7. Dezember 1998, in der die Anwesenden versuchen, sich über eine gemeinsame Reaktion auf eine lautstarke Demo vor dem Haus zu verständigen, bis diese schließlich einfach weiterzieht. Drei Monate später, kurz vor den Volkskammerwahlen im März 1990 verliest dieser Runde Tisch seinen Verfassungsentwurf für die DDR, der aber nie in Kraft tritt. Mit der Videoszene und dem Originaldokument des Verfassungsentwurfs eröffnet die Installation den Blick auf zwei Momente, in denen versucht wurde, die Energien des Herbstes 89 einzuschreiben, zu verfestigen. Dabei speist sich die Kraft der Dokumente nicht so sehr aus den in ihnen formulierten konkreten Forderungen, sondern aus dem Gefühl, dass hier der Blick – endlich und noch – auf das Ganze, die Modi des Zusammenlebens, gerichtet ist. Dass dieser Blick sich hier immer auch schon an den sprachlichen Formen, des Gesetzes, des erlernten politischen Sprechens bricht, macht die Dokumente auch zu Zeugnissen eines Scheiterns und Verlusts.

Installation:
Videoloop (10 min, Farbe, Deutsch mit engl. UT, mit freundlicher Genehmigung des Robert-Havemann-Archivs), Verfassungsentwurf des Zentralen Runden Tischs der DDR (Buch), Texte, Audio-Loop (4 min)

Ausstellungen:
KHM Galeri, Malmö, Schweden; 25. April – 9. Mai 09 (als Teil der Arbeit “Homesick for 89”)
Geschichtsforum 09, Humboldt Universität, Berlin; 28. – 31. Mai 09
Werkleitzgesellschaft Halle; 26. Oktober – 7. November 09