Fatzermobil

Textcollage und Installation mit Robert Burghardt, Sönke Hallmann, Inga Zimprich, 2010

Fatzer ist ein Schreibort. Die von Brecht verworfene und von Heiner Müller Ende der 70er-Jahre aufgegriffene Figur, bezeichnet einen Denkraum, in dessen Mittelpunkt die Frage nach den Möglichkeiten politischen Handelns angesichts der Einsicht steht, dass eine Revolution – die grundlegende Neuordnung gesellschaftlicher Verhältnisse – im Jetzt nicht zu erwarten ist. Das Fatzermobil formt einen Apparat, in dem Dokumente und Artefakte politischen Handelns aufeinander treffen, die ihr Verhältnis zu einem utopischen Horizont verloren haben – dessen historischer Verlust sie verstummen lassen hat. Als ästhetische Zeugen des jugoslawischen Sozialismus stellen z.B. modernistische Partisanendenkmäler im ehemaligen Jugoslawien die Frage danach, wie der Bezug zwischen der baulichen Projektion der Moderne und dem Scheitern jener in Jugoslawien angestrebten Verhältnisse heute zu fassen ist und mit welchem Vokabular dieser Bezug zu beschreiben wäre. In den Transkripten der Runden Tische der DDR von 1989/90 wird hingegen das Verhältnis zwischen der exzessiven Sprachlichkeit dieses Moments zu deren Wiedereinschreibung in institutionelle und rechtliche Strukturen und ihre damit einhergehende Verschließung und sprachliche Einhegung nachlesbar.

Im Fatzermobil werden diesen historischen Momenten eine Reihe literarischer und theoretischer Figuren zur Seite gestellt, sie fügen sich zu Skript und mobilem Bühnenbild, in dem sie tätig, zur Aufführung werden können.

Es ist Teil eines fortlaufenden Gesprächs anhand von Materialien und Fragen aus dem Arbeiten der Beteiligten.

Installation:
Mobiles Bühnenbild/Skulptur, Textheft

Ausstellungen:
Arttransponder, Berlin, 26. April – 16. Mai