2 oder 3 Versuche mit Kalle einsam zu sein

Videoinstallation, 2011

2-Kanal-Video/Installation; HDV, Farbe, 11 mins

Der 1981 nach Westberlin ausgebürgerte Liedermacher und Dissident Kalle Winkler (1960-1994) gehörte zu einer Gruppe junger (Ost-)Berliner, die sich 1990 den Grenzwachturm am Schlesischen Busch in Treptow aneigneten und ihn zum „Museum der Verbotenen Kunst“ umwidmeten. Als Teil der Programmierung des Turms erschließt sich Flutgraben e.V. mit der Ausstellung „…Avantgarde und Mahnmal zugleich sein“ nun die Vorgeschichte der eigenen Nutzungspraxis. Neben meiner Videoarbeit war eine von Christine Brecht im Obergeschoss zusammengestellte Materialschau zur Nachwendegeschichte des Turms zu sehen.

Vor Beginn der Ausstellung zog ich mich mehrere Tage lang mit Texten Kalle Winklers, Fotos aus seinem Nachlass und ein paar wenigen Requisiten in den Turm zurück – den Lebensmittelpunkt seiner letzten Jahre bis zu seinem Unfalltod. In Videoaufnahmen dokumentiere ich meine Versuche, eine Verbindung zu Kalle herzustellen – ein Prozess, in dem ich mich unablässig mit der Kluft konfrontiere, die sich in seiner Biographie zwischen Versprechen und Realität des Sozialismus offenbart. In einer Reihe von Gesten versuche ich eine Aneignung von Kalles Geschichte, die seinem zähen, dringlichen Glauben an ein solches Versprechen treu zu bleiben vermag.

Das Video wurde entwickelt für das Projekt „…Avantgarde und Mahnmal zugleich sein“ Materialien zum Museum der Verbotenen Kunst, Grenzwachturm Schlesischer Busch, 29. April bis 12. Juni 2011 (Ein Projekt des Flutgraben e.V. in Kooperation mit Grenzläufte e.V., Konzept und Realisierung: Christine Brecht und Elske Rosenfeld. Mit freundlicher Unterstützung durch das Kulturamt Treptow-Köpenick)