Zonenrapper, Schwule, Punks und Nazis

Diskussionsreihe, 2009

Für die Veranstaltungsreihe „Zonenrapper, Schwule, Punks & Nazis“, die im April 2009 im Klub und Projektraum Basso in Berlin stattfand, kuratierte ich eine Auswahl an Filmen, die sich mit nonkonformen Jugendszenen der DDR beschäftigen: Filme aus der späten DDR und aktuelle Filme über sie, in denen ein widersprüchliches Erleben und Erinnern sichtbar wird. Die Auswahl der Filme zielte darauf ab, Positionen einer subkulturellen Differenz als Ausgangspunkt für ein Sprechen über die DDR zwischen ihren dominanten Erklärungsmustern – als heimelig-skuriler Kuschelstaat oder totalitäres Stasi-Überwachungssystem – Raum zu verschaffen. Anhand eines Abgleichens der zwei zeitlichen Perspektiven (dem Jetzt der 80er, dem Rückblick aus dem Heute) lassen sich jene Prozesse der Geschichtsschreibung nachvollziehen, die das eigene Erinnern von den Darstellungen der Zeitdokumente entfremden. Und schließlich werfen die Filme auch den Blick zurück auf das Publikum, wo sie die unterschiedlichen biografisch geprägten Zugänge der einzelnen Zuschauer aufscheinen lassen – und auf diese Weise die Brüche in der vermeintlichen relativen Homogenität eines spezifischen heutigen subkulturellen Raumes produktiv machen.

Basso, Berlin, 26. März – 16. April 2009